Am 15. September 2026 fand die Lesung und Diskussion „Wenn die Pause zur Hölle wird“ zum Thema Mobbing mit Norman Wolf statt.
Seit der fünften Klasse wird er von Mitschüler*innen gemobbt. „Wenn du sie ignorierst, hören sie irgendwann auf“, sagt eine Lehrerin. Norman ignoriert das Mobbing, und es hört nicht auf, sondern wird immer schlimmer. Als ihm ein Mitschüler die Nase blutig schlägt, nimmt Norman seinen ganzen Mut zusammen und bittet seinen Klassenlehrer um Hilfe. Wer seine Geschichte hört, hofft: Endlich wird sich etwas ändern. Schließlich hat der Lehrer doch eine Fürsorgepflicht. Die Lehrkräfte tragen die Verantwortung für die körperliche und seelische Unversehrtheit der Kinder, oder?
Zwanzig Jahre später ist Norman Wolf nicht unversehrt, sondern noch immer erinnern ihn seine körperlichen und seelischen Narben an den langen Leidensweg. Heute teilt er diese Erfahrung in seinen Büchern und bei Lesungen. Er zitiert seinen damaligen Lehrer: „Wahrscheinlich wollten sie dich ärgern und haben dabei ein bisschen über die Stränge geschlagen. So sind Jungs eben!“ Das Kapitel in seinem Buch trägt den Titel „Alleingelassen“. Der Appell an die Erwachsenen lautet: „Zeigt den Betroffenen, dass ihr Mitstreiter*innen seid.“
Norman Wolf will ein solcher Mitstreiter für Betroffene sein. Am liebsten würde er mit einer Zeitmaschine den zehnjährigen Norman aufsuchen und ihn ermutigen, frühzeitig über das Mobbing zu sprechen und nachdrücklicher Hilfe zu fordern. Von dieser Botschaft profitieren nun Kinder, Jugendliche und Eltern, die ihm bei seinen Lesungen gebannt zuhören. Manche Verantwortungsträger*innen müssen dagegen erst noch davon überzeugt werden, dass über Mobbing nicht zu viel, sondern zu wenig geredet wird, dass Jungs eben nicht „einfach so sind“ und dass Ignoranz und Totschweigen das Problem nur verschlimmern.