„Banksy, das ist doch der mit den Ratten?“, fragt meine Schülerin, als ich unseren Bereichsausflug nach Hanau erwähne.
Das ist er, und noch viel mehr: Tatsächlich unterwandern die rebellischen Nager unübersehbar das House of Banksy, und eine müde Ratte dämpft gleich zu Beginn der Ausstellung die Erwartungen:
„I’m out of bed and dressed – what more do you want?“
Der 17. April 2026 beginnt nicht nur aufgeweckt und angekleidet, sondern vielversprechend mit selbstgebackenem Brot bei Klara direkt um die Ecke. Die Tischordnung beim Frühstück orientiert sich nicht an Organigrammen oder Fachbereichen, sondern an der Ernährungspräferenz, und die Tischgespräche wandern leichtfüßig vom Beruflichen zum Persönlichen.
Auch Banksy liefert unautorisiert Impulse zu Gesprächen über die Kommerzialisierung eines Künstlers, der seine Ratten gegen den Kommerz in den Kampf schickt, über Ambiguitätstoleranz und über Theodor Adorno: „Es gibt kein richtiges Leben im Falschen.“
Das weltberühmte Mädchen mit dem herzigen Luftballon darf genauso wenig fehlen wie das Video vom Bild, das sich nach einer Auktion selbst schreddert und dadurch für ein Vielfaches des ursprünglichen Preises weiterversteigert werden kann. Seine eingängigen Symbole bleiben im Gedächtnis und machen Banksy gleichzeitig zum Kunstkritiker und Kunstphänomen, zur Marke und Anti-Marke, listig und ungreifbar wie seine Ratten.
Das Motto von Banksys dystopischem Freizeitpark „Dismaland“ verabschiedet uns am Ende der Ausstellung: „It’s not art unless it has the potential to be a disaster.“ Eine Mitarbeiterin mit Mickymausohren blickt mürrisch in die Kamera.
„Großbritanniens enttäuschendste Touristenattraktion“ wurde zum Touristenmagnet und Banksy spendete das verwendete Material an Geflüchtete. Von den Einnahmen der Wanderausstellung „House of Banksy“ profitieren dagegen nur die Veranstalter, die mit Personalkosten und logistischem Aufwand argumentieren. „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit“, sagte einst Karl Valentin. Und teuer ist sie noch dazu.
Ein Kunstprojekt von Banksy trägt den Titel „Exit Through the Gift Shop“. Das House of Banksy lässt sich nur über einen Gift Shop verlassen, doch statt Geld für Souvenirs auszugeben, nehmen wir die mehrdeutigen Eindrücke als Andenken mit.
Ein Tag wie ein Gedicht:
„Bereichsausflug Bereichsausflug
Halb locker, halb klug
Wir saßen im Zug
Klara den Brotleib selber buk
Bereichsausflug Bereichsausflug
Die Planung war gut
Die Gespräche auch,
eine Mischung aus Reizüberflutung, netten Gesprächen und einem ziemlich vollen Bauch.“




